Behandlung von Tinnitus

Tinnitus – ein Symptom gestörter Hörwahrnehmung

Tinnitus oder Ohrgeräusche sind fast immer Folge einer Einschränkung der Hörfähigkeit, auch wenn diese subjektiv nicht empfunden werden muss. Sie entstehen daher durch Lärmschäden, Hörstürze oder sich schleichend entwickelnde Hörstörungen oder sind Folge von Überreizungen, etwa bei besonderen (Stress-) Belastungen.

Ursache eines Leidens am Tinnitus mit vielfältigsten Begleiterscheinungen wie etwa Schlaf- und Konzentrationsstörungen oder Depressionen ist die Unfähigkeit, dieses Störgeräusch wegfiltern oder überhören zu können.

Der Tinnitus kann aber auch das erste, für den Patienten hörbare(!) Zeichen einer seelischen Not oder Krise sein. Dann zeigt er oft die seelische Angst und oder wird zum ersten körperlich empfundenen Zeichen einer möglichen Bedrohung des seelischen Gleichgewichtes.

Das komplexe Tinnitus-Leiden kann das Wohlbefinden und die Lebensqualität der davon Betroffenen nachhaltig stören. Folgekrankheiten wie Schlafstörungen, Depressionen, Immunstörungen oder soziale Folgen wie Rückzug aus der Gemeinschaft, Arbeitsunfähigkeit drohen oder können auftreten. Die Notwendigkeit stationärer Krankenhausbehandlung ist dann gegeben, wenn das Krankheitsbild zur Dekompensation führt.

Tinnitus ist immer ein Symptom

Dies beginnt schon mit dem Wissen, dass der Tinnitus als Höreindruck unterschieden werden muss von einem daran möglicherweise gekoppelten „Leiden am Tinnitus”.

Werden Menschen in einer schalldichten Kammer absoluter Stille ausgesetzt, entsteht innerhalb kurzer Zeit ein akustischer Eindruck. Das liegt daran, dass das Innenohr wegen seiner ständig aktiven Sinneszellen seit der Geburt ein sehr lauter Ort ist. In etwa vergleichbar ist dies mit einer Tonanlage, die beim Stromeinschalten ein durchaus hörbares, meist leises Grundrauschen hat. So ist auch bei hörgesunden Menschen ein nur für den Betroffenen wahrnehmbares Ohrgeräusch im Prinzip immer schon vorhanden. Es wird meist nur nicht als solches wahrgenommen und - was wichtiger ist - nicht dauerhaft beachtet. Wenn sich in der Hörwahrnehmung - meist durch eine Hörverschlechterung - etwas ändert, kann diese Änderung des Grundmusters als Tinnitus empfunden werden. Bei kleinen organischen Änderungen, wie leichten oder langsam eingetretenen Hörverlusten, ermöglichen es meistens zahlreiche „Hörfilter”, Änderungen dieses Grundmusters wegzufiltern und nicht als veränderten Höreindruck = Tinnitus ins Bewusstsein gelangen zu lassen. „Hörfilter” sind Funktionssysteme, die gewohnte oder nicht notwendige Geräusche unterdrücken und ablenken, bevor sie in die bewusste Wahrnehmung kommen können. Ein Beispiel dafür ist, dass eine Uhr, die 24 Stunden tickt, in der Regel nicht tickend wahrgenommen wird, obwohl sie laut genug ist, um gehört zu werden. Bei chronischen Tinnitus-Eindrücken liegen meist Schädigungen im Innenohr (Lärmschäden, Hörsturz), Schwankungen in der Flüssigkeit des Innenohres, Übererregbarkeiten oder Fehlsteuerungen bei Nervenaktivitäten im Innenohr vor. Aber auch bei bestem Hörvermögen kann es zu einer Senkung der Wahrnehmungsschwelle für das ganz normale Grundrauschen kommen. Diese ist z. B. möglich, wenn die inneren „Hörfilter” geschwächt oder aufgebraucht sind, wenn wir nach Arbeitsüberlastung „ent-nervt” sind oder zu viel Stress” um die „Ohren” hatten.

Wie kommt es zum Leiden am Tinnitus? Das ABC der Hörwahrnehmung

Unabhängig von der Art der Tinnitus-Entstehung ist für das Leiden am Tinnitus entscheidend, wie sehr sich die Betroffenen von dem neuen, meist als unangenehm empfundenen Ohrgeräusch gestört fühlen.

Es war eine Notwendigkeit im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Menschen, sich neu auftretenden Geräuschen sofort und in höchster Alarmbereitschaft zuzuwenden. Für Menschen, die vor noch gar nicht allzu langer Zeit in einer Welt voller Gefahren um ein Lagerfeuer saßen, war es überlebenswichtig, beim Knacken eines Astes sofort hinzuhören. Je nach der Ursache des Geräusches waren dann die drei wichtigsten Reaktionen: anzugreifen, zu fliehen oder wenn alles nicht mehr möglich war, sich tot zu stellen. Nur wenn etwas Bekanntes oder Vertrautes identifiziert werden konnte, durfte sofort Entspannung einkehren. An diesem Beispiel wird deutlich, dass aus biologischen Gründen in der Hörwahrnehmung folgendes wichtig ist:
     

  • A) Erkenne ich die Geräuschquelle? Ja oder Nein?
  • B) Bewerte ich diese - meist unbewusst - positiv oder negativ?

      dann folgt

  • C) die - meist unwillkürliche - Reaktion


Dies gilt auch für den Tinnitus. Deswegen erfordert dieser in der Regel unbekannt und meist negativ bewertete neue Höreindruck so viel Aufmerksamkeit. Dabei stellen dich Reaktionen ein, in denen sich viele Anteile der Muster „Angriff", „Flucht" oder „Totstellen" wiederfinden lassen.

Daher ist die Information über den Tinnitus und das Sichvertrautmachen mit den Ursachen und Auswirkungen des Tinnitus eine wichtige Grundlage, um den aufreibenden Kreislauf zwischen Tinnitus und Aufmerksamkeit beenden zu können. Zur Aufklärung dienen nach sorgfältiger Diagnostik ein - möglicherweise wiederholtes - Gespräch mit einem kundigen Experten und inzwischen zahlreiche - auch gut verständliche - Bücher.

Gerne empfehlen wir auch den Kontakt zur

Deutschen Tinntius-Liga e. V.
Postfach 21 03 51
42353 Wuppertal
Tel.: (02 02) 24 65 20
Web: www.tinnitus-liga.de

Der Tinnitus kann auch eine seelische Not hörbar machen

Der Tinnitus kann aber auch das erste, für den Patienten hörbare (!) Zeichen einer seelischen Not oder Krise sein.

Dann zeigt er oft seelische Angst und/ oder wird zum ersten körperlichen empfundenen Zeichen einer möglichen Bedrohung des seelischen Gleichgewichts. Wenn der Tinnitus derart in einer krisenhaften Situation in die Wahrnehmung gerückt ist, vermuten wir als Ursache der verstärkten Tinnitus-Wahrnehmung eine Schwächung der Hörfilter. Aber auch bei Menschen, die ganz objektiv durch Lärmbelastung oder einen Infekt zu ihrem Tinnitus gekommen sind, entscheiden die bisher erlangten persönlichen Möglichkeiten, ib der Tinnitus zum Leiden oder zu einem wie immer gearteten m aber nicht bedrohlichen Tinnitus-Erleben wird.

In beiden Fällen kann ein Kreislauf mit sich verstärkenden Elementen entstehen, die Energien und Ressourcen des Gesamtorganismus benötigen und verbrauchen!

Psychotherapie heißt sinngemäß nichts anderes als „Therapie der Seele". Dabei hat Psychotherapie die Funktion des einfühlenden Blickes von außen sowie den Aufbau einer tragfähigen „Arbeitsbeziehung", die auch alte und schwierige Probleme angemessen im Interesse des Betroffenen bearbeiten kann. Dies kann dem in körperliche und seelische Probleme Verwickelten helfen, Dinge nachspürbar zu erkennen, die zwar meistens da sind, aber nicht wahrgenommen werden können. Speziell bei neuen Fragestellungen, etwa der Tinnitus-Verarbeitung, laufen vor allem die bisher für die Betroffenen bewährten und daher unbewussten Wertesysteme Gefahr, nicht mehr so günstige Antworten zu geben. Diese ist meist der Anlass und die Notwendigkeit, Einstellungen und Handlungen zu überdenken und ggf. zu ändern. So kann die Arbeit mit dem ABC der Hörwahrnehmung und das Aufzeigen nachvollziehbarer Wirkfaktoren in einem für den Patienten stimmigen Bedingungsmodell angstvermindernde Effekte haben. Dabei gilt es, mit Hilfe ganz real zu machender Erfahrungen (etwa bei der Hör- und Geräuschtherapie, der Klangtherapie, im Körpererleben) Befürchtungen nacherlebbar auszuräumen. Nicht selten zeigt sich aber auch, dass hinter dem Tinnitus-Leiden weitergehende Probleme verborgen sein können. Dies gilt für ernsthafte depressive Verstimmungen ebenso wie für massive Konflikt etwa familiärer Art oder am Arbeitsplatz. Diese verhindern dann eine Lösung der an den Tinnitus geknüpften Probleme.

Was erwartet Sie in der Tinnitus-Klinik Dr. Hesse?!

  • Ob ambulant (leider bisher meist nur über Privatliquidation möglich_) oder stationär steht am Anfang eine gute neurootologische und psychosomatisch fundierte Diagnostik und eine für den Patienten nachvollziehbare Aufklärung. Diese ist so angelegt, dass sowohl die medizinischen Grundlagen wie auch die dabei wichtigen emotionalen Begleitumstände und Reaktionen berücksichtigt werden. Dabei wird ein auf das Krankheitsbild und die Persönlichkeit abgestimmtes Behandlungskonzept erarbeitet.
  • Eine Möglichkeit zur psychotherapeutischen Bearbeitung der verbesserten Tinnitus-Bewältigung und/oder der Aufarbeitung der zum Tinnitus-Leiden führenden Grundsituation.
  • Eine auf das Tinnitus-Leiden und Hörbild abgestimmte Hör- und Geräuschtherapie zur Gewöhnung (Habituation).
  • Eine auf das Tinnitus-Leiden und/oder die Gleichgewichtsthematik abgestimmte Körperarbeit, die den Tinnitus- und Körper-Wahrnehmungen mit Körperempfinden verändernd zusammenführt (integriert).

Eine Therapie des Tinnitus-Leiden mit den Möglichkeiten eines stationären Krankenhausaufenthaltes kann notwendig werden, wenn die ambulanten Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind und sich das Krankheitsgeschehen zunehmend verschlechtert.

Der Vorteil einer stationären Behandlung ergibt sich aus der aufeinander abgestimmten Zusammenarbeit der verschiedenen Therapeuten. Hier kommen Ärzte, Psychologen, Hör- und Bewegungstherapeuten zusammen und arbeiten gemeinsam an den Problem, statt nebeneinander her.

Chancen eröffnen und offen halten

Die meisten, die den Weg zu einem stationären Aufenthalt nach Bad Arolsen finden, haben schon viele Versuche unternommen, den Tinnitus loszuwerden oder mit ihm fertig zu werden. Bei vielen von ihnen haben sich Schwierigkeiten, beruflich und privat, eingestellt, die ihre Lebenssituation in Frage stellen.

Diese Frage greifen wir, als ausgesprochen oder noch auszusprechenden Auftrag in unserer psychosomatisch orientierten Behandlung auf. Als unsere Aufgabe sehen wir es an, die Struktur dafür zu bieten, die einzelnen Puzzelsteinchen mit den Tinnitus-Betroffenen zusammenzusetzen und die verschiedenen Diagnosen in ein Gesamtbild zu ordnen. Aufgabe unserer Patienten ist es, daraus erkennbare und nachvollziehbare Handlungsmöglichkeiten aufzunehmen und neue Schritte zu versuchen. Offen ist die eine Chance, nicht nur ursächlich in das Tinnitus-Geschehen einzugreifen, sonder über einen ersten Schritt aus der Ohnmacht hinaus in einen Lebensweg zu kommen, in dem wieder Gestaltung und eine neue Lebensqualität möglich ist.

Wenn ein stimmiges Wirkmuster erarbeitet werden kann, dann darf es meist um kleine, aber langfristig angelegte Schritte gehen.

Diese haben meist den großen Vorteil, dass sich die Erfolge dabei sicher lassen und eine grundsätzliche Stabilisierung erreicht werden kann.


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Neu erschienen

Literatur

Schaaf, H., Hesse, G.:
Tinnitus: Leiden und Chance, 2. Auflage,
Profil-Verlag München, 2004, 128 S., 15,00 €

Hesse, G., Schaaf, H.:
Schwerhörigkeit und Tinnitus, 2. Auflage,
Profil-Verlag München, 2005, 68 S., 12,80 €

Schaaf, H., Holtmann, H.:
Psychotherapie bei Tinnitus,
Schattauer-Verlag, 2002, 144 S., 26,95 €