tinnitus-klinik_dr-hesse_gleichgewichtsstoerung_bad-arolsen

Behandlung von Gleichgewichtsstörungen

Was sind Gleichgewichtsstörungen und wie entstehen sie?

Gleichgewichtsstörungen, häufig auch als Schwindel bezeichnet, sind Ausdruck einer gestörten Orientierung des Menschen im Raum. Betroffene haben das Gefühl, die innere Balance zu verlieren oder sich nicht mehr sicher im Raum bewegen zu können. Schwindel geht dabei häufig mit vegetativen Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Herzklopfen einher, was die Belastung zusätzlich verstärken kann.

Unter bestimmten Bedingungen können solche Beschwerden auch bei ansonsten gesunden Menschen auftreten, etwa bei Seekrankheit, Reisekrankheit oder Höhenschwindel. In diesen Fällen handelt es sich um vorübergehende Reaktionen auf ungewohnte Reize. In den meisten Situationen ist Schwindel jedoch – ähnlich wie Schmerz – ein Alarmsignal des Körpers, das auf eine behandlungsbedürftige Störung hinweist und daher medizinisch abgeklärt werden sollte.

Glücklicherweise sind die meisten Formen von Gleichgewichtsstörungen gutartig und lassen sich bei entsprechender Diagnostik erfolgreich behandeln. Entscheidend ist, die zugrunde liegende Ursache zu erkennen, da Gleichgewichtsstörungen unterschiedliche Ursprünge haben können, etwa im Innenohr, im Nervensystem oder im Zusammenspiel verschiedener Körpersysteme.

Moderne Untersuchungsverfahren, wie sie in einem spezialisierten Gleichgewichtslabor eingesetzt werden, ermöglichen eine präzise Abklärung der Schwindelursache. Auf dieser Grundlage kann eine gezielte und individuell angepasste Behandlung erfolgen, mit dem Ziel, die Orientierung im Raum zu stabilisieren, den Schwindel zu lindern und die verlorene Balance im Alltag Schritt für Schritt zurückzugewinnen.

Genauso wie es ein körperliches Gleichgewicht gibt, lässt sich auch von einem seelischen Gleichgewicht sprechen. Was genau unter „Seele“ oder „Seelischem“ verstanden wird, kann unterschiedlich interpretiert werden. Allgemein besteht jedoch Einigkeit darüber, dass das emotionale Erleben und die individuelle Bewertung von Erfahrungen wesentliche Bestandteile des seelischen Gleichgewichts sind.

Körper und Seele stehen dabei in einem engen Zusammenhang und beeinflussen sich gegenseitig. Möglicherweise lassen sie sich gar nicht voneinander trennen, sondern stellen vielmehr zwei Seiten einer Medaille dar. Eine wichtige Schnittstelle dieser Wechselwirkung ist das sogenannte limbische System, in dem gefühlsbetonte Impulse wahrgenommen, eingeordnet und in Handlungen umgesetzt werden – häufig bereits, bevor das bewusste Denken erfasst, was geschehen ist.

Da Menschen in der Regel in ständigem Kontakt mit anderen Menschen stehen, vollzieht sich auch die emotionale Entwicklung in enger Wechselwirkung mit der Umwelt. Erfahrungen, Beziehungen und soziale Anforderungen wirken kontinuierlich auf das innere Gleichgewicht ein.

Wie spätestens bei seelischen Erkrankungen deutlich wird, benötigt auch die Seele ein eigenes Gleichgewicht, das jedoch keinem festen Zustand entspricht, sondern sich ständig verändert und neu einpendeln muss. Dieses seelische Gleichgewicht bildet eine wichtige Grundlage für psychische Stabilität und inneres Wohlbefinden.

Das Gleichgewichtssystem des Menschen ist hochkomplex, und mit seinen immer größeren Möglichkeiten steigt auch seine Empfindlichkeit für Störungen. Der häufigste Hinweis auf eine Beeinträchtigung ist Schwindel, der als Symptom einer Störung oder Erkrankung auftritt.

Schwindel kann entstehen, wenn eine der beteiligten Komponenten erkrankt oder gestört wird, oder wenn es zu „Missverständnissen“ oder Kollisionen zwischen den verschiedenen Systemen kommt. Diese Komponenten sind nicht nur körperlicher Natur, sondern können auch seelische, moralische oder soziale Ursachen haben.

Beim Symptom Schwindel reagiert in der Regel der gesamte Mensch – Körper, Seele und Geist – gemeinsam mit seiner Umgebung. Häufiger Schwindel oder anfallsartige Episoden wirken dabei nicht nur auf das Brechzentrum, die Augen oder die Muskeln, sondern beeinflussen das Wohlbefinden des gesamten Menschen. Schwindelanfälle können das bisher Selbstverständliche durcheinanderbringen und lösen nicht selten Todes- oder Vernichtungsängste aus.

Der Psychosomatiker Victor von Weizsäcker, der selbst unter anfallsartigem Schwindel litt, bezeichnete daher 1967 Schwindel treffend als „urkrankhaftes Symptom“, da er tiefgreifend auf Körper und Psyche wirkt und weit über eine rein körperliche Störung hinausgeht.

Schwindel kann entstehen, wenn Schäden, Fehlfunktionen oder Erkrankungen an einem oder beiden Gleichgewichtsorganen vorliegen. In diesen Fällen äußert sich die Störung meist sehr deutlich als Drehschwindel, der zu den intensivsten Schwindel-Empfindungen gehört, da er nicht bewusst – etwa durch Fixieren eines feststehenden Gegenstandes - beeinflusst werden kann.

Typische Begleiterscheinungen sind schnelle Augenbewegungen, der sogenannte Nystagmus, sowie das Gefühl einer sich drehenden Umwelt. Oft treten dabei auch Übelkeit, Erbrechen und verständlicherweise Angst auf.

Ein besonders häufiger organischer Schwindel ist der gutartige Lagerungsschwindel. Dieser tritt bewegungsabhängig auf, ist kurz, jedoch heftig, und lässt sich in der Regel gut behandeln.

Der gutartige Lagerungsschwindel ist durch kurze Drehschwindelattacken gekennzeichnet, die typischerweise nach bestimmten Kopfbewegungen oder beim Bücken und Hinlegen auftreten. Diese Attacken dauern in der Regel weniger als 30 Sekunden. Oft setzt der Schwindel einige Sekunden nach der Lageänderung ein. Begleiterscheinungen können Übelkeit oder sogar Erbrechen sein, und zwischen den Attacken besteht manchmal eine leichte Gangunsicherheit. Betroffen sind vor allem Menschen in der zweiten Lebenshälfte.

Die Ursache liegt in kleinen Kalkkristallen, den sogenannten Otolithen, die sich aus dem Gleichgewichtssäckchen lösen – spontan oder nach einer Kopfverletzung – und sich in den hinteren Bogengängen ablagern. Bei Lagewechseln geraten diese Kristalle in Bewegung, reizen die Sinneszellen und verursachen dadurch die intensive Drehbewegung. Trotz der Beschwerden gilt der Lagerungsschwindel als gutartig, da er meist nach einigen Wochen bis Monaten von selbst abklingt. Dennoch kann er nach Monaten oder Jahren wieder auftreten. In etwa einem Drittel der Fälle geht dem Schwindel ein Schädel-Hirn-Trauma oder eine Neuritis vestibularis voraus.

Weitere Infos: PDF "Lagerungsschwindel" | Download |

Die Diagnostik ist dabei bereits ein Teil der Therapie. Standardmäßig wird der Patient aus dem Sitzen in die Seitenlage gebracht, oft unter Einsatz einer Frenzelbrille, um kleine Augenbewegungen (Nystagmen) sichtbar zu machen. Ein korrekt durchgeführtes Lagerungsmanöver kann die Beschwerden in etwa 95% der Fälle innerhalb weniger Wochen beseitigen.

Ablauf des diagnostischen und therapeutischen Lagerungsmanövers:

  1. Der Kopf wird 45° zur gesunden Seite gedreht, der Patient auf die betroffene Seite gelegt.
  2. Nach 30 Sekunden erfolgt ein rascher Wechsel zur Gegenseite, ohne die Sitzposition anzuhalten.
  3. Während des gesamten Manövers bleibt der Kopf um 45° zur gesunden Seite gedreht, sodass der Patient mit der Nase zur Liege in der zweiten Position landet.
  4. Nach zwei Minuten kann der Patient sich wieder aufrichten.

Dieses Vorgehen bewirkt, dass die Otolithen aus dem Bogengang „herausgeschleudert“ werden. Ein erneuter kurzzeitiger Schwindel mit Augenzittern in der zweiten Position zeigt die erfolgreiche Lagerung an.

Selbstbehandlung zu Hause:

  • Rechts: Setzen Sie sich auf ein Bett, Kopf 45° nach rechts drehen, rasch auf den Rücken legen, 30 Sekunden warten. Kopf 90° nach links drehen, 30 Sekunden warten, dann mit Kopf und Körper 90° nach links rollen, 30 Sekunden warten, schließlich aufsetzen.
  • Links: Analog, Kopf 45° nach links, Rückenlage, 30 Sekunden warten, Kopf 90° nach rechts, 30 Sekunden warten.

Führen Sie diese Übungsfolge dreimal täglich durch. Ein kurzer Schwindel kann ausgelöst werden, was normal ist. Beenden Sie die Übungen, sobald 24 Stunden lang kein Lagerungsschwindel auftritt, weder beim Üben noch zu anderen Zeiten.

Ein akuter einseitiger Gleichgewichtsausfall tritt einmalig und schlagartig auf. Wenn ein komplettes Gleichgewichtsorgan ausfällt, kann dies bei zuvor gesundem Menschen zu einem mehrtägigen, heftigen Drehschwindel führen. Meist ist der Schwindel verbunden mit Übelkeit, Erbrechen sowie einer Fallneigung in Richtung des betroffenen Ohres. Betroffene sind stark eingeschränkt, können sich kaum bewegen und werden häufig als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert. Aufgrund des Augenzitterns (Nystagmus) entsteht für die Patienten das Gefühl, dass sich die Umgebung dreht.

Im Gegensatz zum Lagerungsschwindel wird der Schwindel nicht durch Kopfbewegungen verursacht, auch wenn jede Bewegung die Symptome verstärken kann. Der Schwindel lässt in der Regel innerhalb von Tagen deutlich nach, eine vollständige Ausheilung oder Gewöhnung an die neuen Umstände dauert meist 1–2 Wochen.

Ursachen können sein:

  • Verletzungen oder vorübergehende Durchblutungsstörungen des Innenohres
  • Infektionen durch neurotrope Viren wie Mumps, Herpes Zoster, Masern, Influenza oder Adenoviren, die Nerven des Innenohres angreifen

Oft sind neben dem Schwindel auch Hörverlust und Ohrgeräusche (Tinnitus) vorhanden.

Verlauf und Therapie:

In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden innerhalb von Tagen und verschwinden nach 2–3 Wochen vollständig. Ein gezieltes Gleichgewichtstraining kann die Erholung beschleunigen.

Während des akuten Schwindels können schwindeldämpfende Medikamente, wie Dimenhydrinat (z. B. Vomex®), helfen, den Schwindel zu lindern und die akute Belastungsphase zu überstehen. Ab dem zweiten oder dritten Tag sollten diese Medikamente jedoch nicht mehr eingenommen werden, da sie die Kompensation durch das gesunde Gleichgewichtssystem behindern könnten.

Selbst wenn ein Gleichgewichtsorgan dauerhaft geschädigt bleibt, kann das andere Organ zusammen mit den übrigen Komponenten des Gleichgewichtssystems die Funktion weitestgehend übernehmen. Die Therapie erfolgt über aufeinander aufbauende Gleichgewichtsübungen, sodass viele Menschen trotz eines ausgefallenen Gleichgewichtsorgans ihre Stabilität im Alltag wiedererlangen.

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gleichgewichtsausfall erneut auftritt, sehr gering ist – man könnte fast sagen, sie ist niedriger als ein Lottogewinn – kann der erste Vorfall für Betroffene sehr erschütternd und bedrohlich wirken. In solchen Momenten wirken alle bisher vertrauten Lebenssicherheiten plötzlich unsicher, und das Gefühl der Kontrolle kann stark verloren gehen. Das erzeugt verständlicherweise Angst und Unsicherheit, die noch lange nachwirken kann.

Eine gute Nachricht ist: Aufklärung, gezieltes Gleichgewichtstraining und, falls nötig, psychologische Unterstützung können helfen, die Angst zu reduzieren. So lernen Betroffene, wieder Vertrauen in ihren Körper und ihre Fähigkeiten zu gewinnen und das tägliche Leben sicherer zu gestalten.

Migräne ist typischerweise durch halbseitige, manchmal auch beidseitige Kopfschmerzattacken gekennzeichnet. Viele Betroffene berichten jedoch, dass ihre Migräne mit Schwindel verbunden ist, der gelegentlich oder auch häufig auftritt.

Dieser Schwindel kann in verschiedenen Formen erscheinen:

  • Drehschwindel, bei dem sich alles um einen herum zu drehen scheint,
  • Lageschwindel, der vor allem bei bestimmten Kopfbewegungen oder -positionen auftritt, und
  • diffuser Schwindel, der sich als Benommenheit oder als Schwierigkeiten beim klaren Denken äußert.

Ursächlich für den Dreh- und Lageschwindel sind wahrscheinlich Durchblutungsstörungen im Hirnstamm, während der diffuse Schwindel oft weniger klar lokalisierbar ist. Je nach Patienten kann der Schwindel einige Stunden anhalten, in manchen Fällen überdauert er sogar die Kopfschmerzen für Tage oder Wochen.

Weitere Informationen finden sich in Fachliteratur wie Lempert „Schwindel – was steckt dahinter?“ (Piper 1994) oder Oliver Sacks „Migräne“ (Rowohlt-Verlag).

Neben dem körperlichen Gleichgewicht hat auch die Seele ihr eigenes Gleichgewicht, das von Gefühlen wie Lust, Unlust, Freude oder Angst geprägt wird. Dieses seelische Gleichgewicht kann gestört sein, was sich in Depressionen, Ängsten, Zwängen oder psychosomatischen Beschwerden zeigt. In vielen Fällen äußert sich diese Störung durch Schwindel, der hier als „seelischer Schwindel“ bezeichnet wird. Etwa 30 % aller Schwindelformen fallen in diesen Bereich, werden jedoch häufig übersehen oder nicht richtig eingeordnet.

Die Diagnostik beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Krankengeschichte. Zusammen mit einer grundlegenden HNO-Untersuchung kann dies bereits in bis zu 90 % der Fälle Hinweise auf die Ursache liefern. Dabei werden sowohl körperliche als auch seelische Faktoren berücksichtigt. Eine anschließende allgemeine körperliche Untersuchung, einschließlich Herz-Kreislauf-Check, ist sinnvoll. Bei Verdacht auf Erkrankungen des Zentralnervensystems können CT- oder MRT-Untersuchungen Tumoren oder eine Multiple Sklerose ausschließen.

Die psychosomatische Diagnostik ergänzt den organischen Befund. Psychologische und ärztliche Fachkräfte arbeiten gemeinsam mit Ihnen daran, zu erkennen, welche Situationen die Symptome verstärken oder lindern und welche Gefühle oder Erinnerungen damit verbunden sind. Dies erfolgt zunächst ambulant in einem diagnostischen Erstgespräch, dem häufig weitere probatorische Sitzungen folgen. Spezielle Fragebögen können zusätzlich eingesetzt werden, um die Situation genauer zu erfassen.

Die Abgrenzung zwischen organischem Schwindel, z. B. aus dem Innenohr, und seelischem Schwindel erfordert Erfahrung und Fachwissen. Eine sorgfältige Diagnostik ist daher entscheidend, um die passende Behandlung und Therapie für die Betroffenen zu ermöglichen.

Die Therapie von Schwindel beginnt nach einer sorgfältigen Diagnostik mit Aufklärung und Beratung. Ziel ist es, den Betroffenen Klarheit und Zuversicht zu vermitteln, damit sie die Erkrankung verstehen und realistische Strategien für den Alltag entwickeln können. Dabei wird genau besprochen, was möglich ist, ohne falsche Versprechungen zu machen, die schnell enttäuschen könnten.

Je besser Schwindel und seine Ursachen verstanden werden, desto mehr handhabbare Möglichkeiten eröffnen sich im Umgang damit. Besonders wichtig ist dies, um Folgeprobleme wie Angst oder seelischen Schwindel zu vermeiden. Ein verständnisvoller und patientenorientierter Zugang seitens der behandelnden Ärzte ist hierbei entscheidend, ebenso wie die Beachtung des Wissens- und Informationsbedarfs der Patienten.

Operationen sind in den allermeisten Fällen nicht notwendig, und auch Medikamente werden selten allein eingesetzt, häufig helfen sie gar nicht. Meistens geht es vielmehr um Anleitung und Hilfe zur Selbsthilfe, um den Alltag trotz Schwindel gut bewältigen zu können. Das Engagement in Selbsthilfegruppen kann zusätzlich hilfreich sein, da diese den Austausch mit Menschen ermöglichen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Für fast alle Schwindel-Erkrankungen existieren inzwischen entsprechende Selbsthilfeangebote, die Betroffenen Sicherheit und Orientierung geben.

Medikamente können bei akuten, zeitlich begrenzten Schwindelattacken unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein. Dazu gehören der anfängliche Gleichgewichtsausfall oder akute Anfälle bei der Menièreschen Erkrankung. Wichtig ist jedoch, dass diese Medikamente – sogenannte Antivertiginosa – nicht länger als 1-2 Tage eingenommen werden, da sie sonst den natürlichen Kompensationsprozess des Gleichgewichtssystems hemmen.

Auch bei Reisekrankheit lassen sich Medikamente einsetzen, um die Symptome zu unterdrücken. Dies geschieht durch eine leichte Dämpfung zentraler Wahrnehmungsfunktionen. Allerdings können solche Mittel Müdigkeit, Mundtrockenheit, verschwommenes Sehen oder Veränderungen der Harnentleerung zur Folge haben.

Für Migränepatienten mit Schwindel können manche neueren Medikamente helfen, die Anfälle zu verkürzen oder deren Auswirkungen abzumildern. Generell gibt es aber keine Medikamente, die Schwindel zuverlässig vorbeugen, und viele Substanzen wirken nicht besser als Placebos. So zeigen Studien beispielsweise für Betahistin keinen eindeutigen Vorteil gegenüber Placebos, auch wenn es häufig verschrieben wird. Der positive Effekt entsteht oft durch Zuversicht und Hoffnung, die das Medikament vermittelt. Ähnliches gilt für sogenannte Durchblutungsmittel, wie Ginkgo-Extrakte, (z.B. Tebonin®, Vertigo-Heel®) oder Nootropica. Bei gutartigem Lagerungs- oder chronischem Schwindel sind Medikamente meist völlig überflüssig.

Psychopharmaka können helfen, das subjektive Leiden zu mildern, die Symptome zu unterdrücken oder psychische Belastungen wie Angst und depressive Verstimmungen zu lindern. Dabei ist Vorsicht geboten: Unsachgemäßer Einsatz, besonders von valiumähnlichen (Diazepam) Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln, kann zu Abhängigkeit führen. Psychopharmaka bekämpfen jedoch nicht die Ursache des Schwindels, sondern wirken lediglich als Übergangsregelung oder Unterstützung anderer Therapien.

Für Menschen mit massiven psychischen Begleiterkrankungen sollte ein Facharzt für Psychiatrie hinzugezogen werden. Hier können Tranquilizer beruhigen, Antidepressiva die Stimmung aufhellen und die psychische Belastbarkeit erhöhen, und Neuroleptika Symptome wie Halluzinationen, starke Angst oder Denkstörungen bei bestimmten psychischen Störungen lindern. Richtig eingesetzt, können diese Medikamente therapeutische Prozesse erleichtern, aber sie ersetzen niemals die eigentliche Behandlung des Schwindels.

Bei sogenannten Seelenschwindel-Formen ist oft professionelle psychologische Unterstützung notwendig. Psychotherapie sollte erwogen werden, wenn Probleme bei der Krankheitsbewältigung auftreten und Lebens- oder Berufsfähigkeit gefährdet sind. Besonders wichtig ist dies, wenn sich ein psychogener Schwindel zeigt, also Schwindel, der vor allem durch seelische Faktoren entsteht.

Der behandelnde Psychotherapeut sollte bei Schwindelerkrankungen auch über grundlegende organische Hintergründe Bescheid wissen, damit nicht jeder Schwindelanfall vorschnell als psychogen interpretiert wird. So kann die Therapie zielgerichtet auf die individuellen Ursachen eingehen.

Gleichgewichtsübungen sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie helfen, die Sicherheit in Bewegung und die Körperhaltung wiederzuerlangen, und sind auch bei psychisch bedingtem Schwindel sinnvoll. Wichtig ist dabei die Schulung der Körperwahrnehmung, insbesondere der Körpereigenfühler und der Augen, um das Gleichgewichtssystem gezielt zu trainieren.

Zusätzlich kann eine Integrative Bewegungstherapie (etwa Tai-chi oder auch Yoga-Übungen), die u.a. auf Methoden aus dem chinesischen Gesundheitssystem basiert, die Therapie ergänzen. In Kombination mit individuell abgestimmtem Gleichgewichtstraining unterstützt sie sowohl die körperliche Stabilität als auch die innere Sicherheit, was gerade bei psychisch verstärktem Schwindel von großer Bedeutung ist.

  • Kimm Kontakte und Informationen zu Morbus Menière e.V.
    Versbacher Str. 112
    97078 Würzburg
    Tel. 0711/611793
    Email: info@kimm-ev.de
    Internet: www.kimm-ev.de

Um einen Schwerbehindertenausweis oder eine Bestätigung der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) zu erhalten, müssen Sie einen Antrag bei Ihrem zuständigen Versorgungsamt stellen. In der Regel können Sie den Antrag selbst ausfüllen.

Nach der aktuellen Gesetzgebung werden Behinderungen nicht mehr einzeln einfach addiert. Stattdessen muss der Gutachter das Gesamtbild des Gesundheitszustandes betrachten und daraus einen angemessenen Gesamtgrad der Schädigung in Prozent ermitteln.

Für Schwindel-Erkrankungen gibt es spezifische Richtlinien, die als Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht nach dem Schwerbehindertengesetz veröffentlicht sind (Ausgabe November 1996). Diese Vorgaben sind ausführlich in der Fachliteratur (wie z. B. Schaaf: M. Menière, 3. Auflage, Springer 2001) dokumentiert.